Aktivitäten

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Die erste 5-Sternefahrt ging nach der Fledermausruhe natürlich in den französischen Jura. Unser Lieblingsquartier wurde mit 8 Höhlenforschern bevölkert. Uli war das erste mal im ewigen Dunkel, durfte Tropfsteine anfassen und auf eigenen Wunsch einen 45m Schacht befahren (erfolgreich u. problemlos!). Ich glaube diese Erfahrungen in der Grotte / Gouffre de Vaux sind bleibende Erinnerungen. Die sportive Tour für die Cracks im Gouffre de Vauvaugier endete mit einer sehr nasskalten Überraschung. Ein nie gesehener Wasserfall am Ausgang kündete vom Wettersturz. Wegen des folgenden Monsterhochwassers der Loue, blieben auch die mitgebrachten Kajaks besser im Trockenen. Statt dessen sind wir durch die mit tosendem Wasser randvolle Schlucht bis zur Louequelle gewandert, selbstverständlich nicht ohne in 3 am Wegesrand gelegene Höhlen „einzukehren“.

Aven Armand

Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Vulkanausbruch auf Island und die fliegerfreie ruhige Zeit. Wir wollten doch unbedingt nach Portugal! Mit Glück hat es gerade noch geklappt und es war wunderbar, sagenhaft. Renato und seine portugiesischen Freunde zeigten uns Ihre Lieblingsgebiete und nicht nur die klassischen Höhlen. So sieht die über der donnernden Brandung des Atlantik, in der Steilküste gelegene, sehenswerte Grutta da Meijo nicht häufig Gäste. Caving am Cliff, das ist einmalig schön. Weiter ging es in die ausgedehnten Olivenbaumplantagen ca. 100km nördlich von Lissabon. Riesige Poljen beherbergen erstaunliche Tropfsteinhöhlen und sehr farbfreudigen Lehm. Sicher waren wir nicht das letzte Mal dort.

An Fronleichnam wurden wir bei der Familientour unserem schönen Campingplatz an der Pegnitz untreu. Das durften wir auf einer nassen, matschigen Erdwiese in der Nähe der Wisent gleich bitter ausbaden. Fränkische Höhlenruinen, Kletterfelsen und der Bolzplatz waren aber in Ordnung. In Vorbereitung auf die WM spielten dort jeweils mindestens 3 Mannschaften auf ein Tor. Nach dem Entzünden der Lagerfeuer stand es 3:5:2?

Schon reisten einige Leser im Juni nach Lofer, in unser traditionelles Forschungsgebiet in den Loferer Steinbergen. Kathi unsere phänomenale Hüttenwirtin konnte Wetter und Hubschrauber passend für uns terminieren. Wären wir nicht so begriffstutzig gewesen, wäre nicht nur die Ausrüstung in 2 Minuten zur Hütte geflogen. Nun ja, so haben wir Aufstieg trainiert. Radu unser neuer Mann aus Rumänien wurde beschnüffelt und gleich im Kristallcanyon getestet. Dort haben wir unter sehr nassen Bedingungen unser neues 3-dimensional arbeitendes Laservermessungsgerät samt Bluetooth Communication zum PDA erprobt. In der 3-Schächtehalle und im Bassemoluff wurde Neuland entdeckt und dokumentiert. Erstmals seit mehr als 20 Jahren durften wir auch in die Prax Eishöhle einfahren, gerade noch rechtzeitig bevor die Klimaerwärmung das letzte Eis dahinrafft. Trotzdem noch eine sehr eindrucksvolle Tour.

Nach einem Sommerferienschlenker auch durch isländische Lavatubes, trifft sich die inzwischen internationale Frankfurter Höhlengemeinde Ende August am Loferer Schacht, der tiefsten und längsten Höhle in den Loferer Steinbergen. „Unsere“ Höhle soll noch länger werden. Renato, Pedro und Timo bringen noch Hitze von einem Feldstudium mit Höhlen aus Angola mit. Radu ist aus dem aufgeheizten Bukarest eingetroffen. Bernd und Petr inzwischen aus Tschechien, sowie Marvin, Mark und ich, gehören ohnehin zum Inventar. Die 10.000m Gesamtlänge verpassen wir knapp, trotzdem ging und geht es noch weiter. Hey, 2011 wollen wir den Durchbruch sehen.

Zum Hüttenschluss am 3.Okt. verbringen wir 2 erfolgreiche Tage in der Kreuzhöhle (Lofer, wo sonst). Renato und ich können 209m neue Passagen entdecken und vermessen. Das dunkle Ende wartet auf 2011, da ist noch viel Luft.

Eigentlich sollten wir nun Inventur machen, Höhlenpläne zeichnen, Berichte schreiben, … , doch es zieht uns zum Kontakte pflegen wieder in den Jura. Dagmar versammelt 14 Höhlenforscher in Amanthey und lässt es allen gut gehen. Die Höhlenklassiker wie die Bief Bousset und der Gouffre de Jerusalem werden bevölkert und einige Staustrecken eingerichtet. Neue Pläne für 2011 werden geschmiedet – Höhlen in den Pyrenäen, Indien, Cantabrien, Angola, Traversen in Frankreich, Lavahöhlen auf Island …

Bergwerk Merkers

Sankt Barbara 2010: Minus 9°C, Schnee, Dunkelheit bis in den tiefen Morgen. 5 müde, vermummte Gesellen schälen sich im westlichen Thüringen aus 2 überheizten Fahrzeugen. Oben drauf warten eisverkrustete Stahlrohrrahmen mit schwarzen Hartgummiringen. Der Experte erkennt darin Fahrräder. Doch was wollen Bernd, Bino, Ralf, Mac und Oli von der Höhlengruppe damit anfangen? Des Rätsels Lösung zeigt sich im Hintergrund, ein Förderturm des Salzbergwerkes in Merkers. Nach Erhalt der Fahrmarke für den mehrstöckigen Förderkorb werden die Fahrräder und wir mit 25 anderen zitternden und bibbernden Enthusiasten eingeladen und auf 506m Teufe abgelassen. Eine Temperaturdifferenz von 32°C in 50 Sekunden gilt es dabei zu verdauen. Schon sind wir 262m unter dem Meeresspiegel. Bei nun 23°C tauen unsere Fahrgeräte und wir langsam auf. Während wir uns sommerlich einkleiden, die Lichter an Rädern und Helmen einsatzbereit gemacht werden, gibt es die letzten Anweisungen und Erläuterungen für die weitgehend unbeleuchtete 15 km Strecke. Schließlich geht es eine längere kurvige Strecke mit 17% Gefälle hinunter bis zu unserem absoluten Tiefpunkt auf 503m unter NN. Keiner von uns Höhlenforschern ist jemals absolut so tief gewesen, Rekord für die Höhlengruppe.